26. Mai 2017

Episode 28: Conradin Knabenhans

27 und schon Chef. Also genauer gesagt: Redaktionsleiter. Seit 2014 ist Conradin Knabenhans bei der Zürichsee Zeitung. Seit 2015 leitet er dort die Obersee-Ausgabe. Wie fühlt es sich an, ein Team von acht Personen zu leiten wenn man der Jüngste im Team ist? Das wollten wir von ihm wissen und sind ihn in Wädenswil besuchen gegangen.

Versteh ich das richtig, bist du der Jüngste und gleichzeitig der Chef?

«Es gab tatsächlich eine Zeit, da war ich der Jüngste im Team. So habe ich auch mit Leuten im Alter von 35 bis 55 Bewerbungsgespräche geführt, aber am komischsten war das glaub ich für mich selbst.» Jene, die von aussen kamen, haben sich zu seinem Alter gar nichts weiter gedacht.

Machst du eine andere Zeitung weil du jünger bist?

Nein, das glaube ich nicht. Wir sind ein durchmischtes Team – mein Alter spielt keine grosse Rolle, weil wir viele Entscheidungen im Team treffen.

Welche Rolle hat der Lokaljournalismus, wenn Medien wie die New York Times nur ein Mausklick entfernt sind?

«Schwarzmaler würden jetzt sagen, eine kleine, weil man ja alle Informationen überall bekommt, aber ich habe die Erfahrung gemacht: Lokal interessiert.» Bei der Zürichsee-Zeitung konnten wir ganz klar sehen, dass beispielsweise während den Wahlen im vergangenen Jahr die Klickzahlen online und sogar die Abo-Verkäufe angestiegen sind. Und diese Inhalte wird man nie in der New York Times kriegen.

Was glaubst du, wie deine Arbeit in 10 Jahren aussehen wird?

Online wird nochmal zulegen, das ist klar. Es braucht aber auch Verlage, die den Print als Kulturgut, als wichtige Informationsquelle im Lokalen beibehalten wollen. «Die Zeitung erinnert einen jeden Morgen daran, dass man aktuelle Informationen aus der Region bekommen hat. Online ist es viel schwieriger, die Leute regelmässig für sich zu gewinnen.»

Wie wird dein Arbeitstag heute noch aussehen?

Ich schreibe noch mindestens zwei Geschichten. Das ist die wichtigste Aufgabe, nach wie vor.

Der Journalismus ist mein Herzblut.

Und damit möchte ich auch die meiste Zeit verbringen. Natürlich gibt es Dienst- und Ferienpläne, die ich regeln muss, aber als Redaktionsleiter möchte ich in der Zeitung stattfinden. Ich bin Journalist mit Leib und Seele. Dafür nehme ich notfalls auch die eine oder andere Überstunde in Kauf.