29. Juni 2016

Zu Gast bei Philipp Meier

«Traue keinem über 30» ist grundsätzlich unser Credo. Doch bei Philipp Meier – Enfant terrible, ex-Landschaftsgärtner, ex-Cabaret Voltaire Ko-Direktor und heute Community Developer (zuerst watson, jetzt swissinfo) – machen wir gerne eine Ausnahme.  In unsere letzten Gespräch vor der Sommerpause haben wir einen tiefen Einblick erhalten in das Selbstverständnis des nicht-Social-Media-Managers.

Die Auseinandersetzung mit dem Wort

Eines wollte er gleich zu Beginn klarstellen: Philipp Meier ist kein Manager. «Im Austausch mit Menschen sehe ich den Begriff des Managens nicht.» Ein Community Developer sei eben etwas anderes. Jemand, der sich auch mit technischen oder Designfragen auseinandersetzt und das auch nicht nur auf den sozialen Plattformen, sondern auch auf der eigenen Website zum Beispiel.

Und auch sonst geniesst er es, Begriffe zu hinterfragen, Selbstverständnisse aufzuweichen. Auf die Frage «Siehst du dich als Journalist?» antwortet er deshalb: «Ist nicht jede und jeder heutzutage Journalist?» Und fügt an: «Ich finde die Diskussion um die Begrifflichkeit spannend, mich daran zu reiben, aber wenn ich von Journalismus rede, ist dies meist negativ konnotiert.»

Enfant terrible

Solche Aussagen verzeiht man ihm. Er sei sowohl zu watson als auch zu swissinfo geholt worden weil er genau diese Aussensicht mitbringt. Und diese Sicht regt zum nachdenken an. Auf die Frage, ob sich Community-Pflege lohne angesichts des oft gesehen Kommentarniveaus sagt er:

Jeder Kommentar ist ein Commitment zur Marke und zum Inhalt.

Wenn das Niveau in Kommentarspalten tief ist, sei dies, weil man dieses Commitment nicht von Anfang an gewürdigt habe. «Jeder schlaue Mensch, der sich Mühe gibt, sich mit dem Inhalt auseinandersetzt und eine schlaue Replik schreibt und dann nur von anderen schlecht gemacht wird, hört schnell auf mit Schreiben.»

Das sei auch der Grund, warum er nicht zum Tagi oder zur NZZ wechseln wolle. «Ich habe keine Lust, da aufzuräumen».

Das Gespräch ist das bisher längste, aber vielleicht auch inspirierendste und ebenfalls: Das letzte. Zumindest für diese Saison. Aber wir kommen wieder! Anfang September. Und bis dahin werden wir noch eine kleine Bombe platzen lassen. 😎