6. Juni 2016

Die Forumszeitung

Hat die Forumszeitung noch eine Zukunft? Eine Zeitung, die sich politisch zurückhaltend positioniert und dafür alle politischen Akteure gleichermassen zu Wort kommen lässt? Wir diskutieren’s mit Nick Lüthi von der Medienwoche.

Die Zahlen sind bekannt:

Entwicklung der Printmedien in der Schweiz (Quelle: BFS)

Entwicklung der Printmedien in der Schweiz (Quelle: BFS)

  • Die Anzahl Printprodukte (rote Linie) nimmt laufend ab.
  • Seit den 90ern nimmt auch die Gesamt- (gelb) und die tägliche (grün) Auflage ab.
  • Die Nutzung von Printmedien in Minuten pro Tag bleibt hingegen relativ konstant.

In den neusten WEMF-Zahlen steht gleichzeitig: Die WOZ und die Weltwoche konnten Leser gewinnen.

Das hat uns veranlasst, zu fragen: Muss man sich als Medium heute klarer Positionieren um am Markt noch eine Chance zu haben?

Nein

Die Antwort auf diese Frage scheint aber einfacher zu sein, als ursprünglich befürchtet: Nein, muss man nicht.

Die Weltwoche und die WOZ haben zwar gerade zugelegt. Längerfristig fristet die WOZ aber immer noch ein Nischendasein (mit deutlich unter 20’000 Print-Abos) und die Weltwoche …

Die Leserzahlen von BaZ und Weltwoche (Quelle: NZZ)

Die Leserzahlen von BaZ und Weltwoche (Quelle: NZZ)

Nick Lüthi sagt denn auch im Podcast: «Einen Mäzen zu haben scheint im ersten Moment attraktiv, weil man weniger abhängig vom Markt ist. Es schafft aber neue Abhängigkeiten.» Er findet, dass nicht das  Forumsmodell in einer Krise ist, sondern dass viel eher der Wechsel des Geschäftsmodells von Print auf Digital noch nicht fruchtet.

«Die Forumszeitung muss eine Zukunft haben», findet Lüthi sogar – seines Zeichens Medienjournalist bei der Medienwoche.

Meinungen in den sozialen Medien

Etwas, das aber auch Nick Lüthi beobachten kann ist, dass Meinungen in sozialen Medien gut ankommen. «Sie werden gerne geteilt – einerseits um seine eigene Meinung zu bestätigen oder aber um sich an einer konträren Meinung ‹abzuarbeiten›». Dies dürfe man nun aber nicht auf ganze Zeitungen übertragen.

Meinung ersetzt Fakten nicht.

Nichts sei wichtiger als eine unvoreingenommene Recherche «ohne Scheuklappen». Dabei warnt er auch vor einer Glorifizierung der Presselandschaft, wie sie bis 1960 vorherrschte und von Parteiblättern dominiert war. Man hatte zwar eine Vielfalt, aber «das war grösstenteils kein guter Journalismus, sondern über weite Strecken ein Sprachrohr für die Parteien».