4. November 2015

Ein kleines Statement

Wir wurden von der Firma Responsesource gefragt, ob wir einen Gastartikel für ihren Newsletter schreiben. Wer es nett formulieren will: Responsesource ist eine Plattform – Journalisten stellen Fragen, Firmen beantworten sie. Wer es pointiert formulieren will: Die Firma verkauft Journalisten. Bezahlt wird die Plattform nämlich von den Firmen, die Fragen beantworten. Was in 90% der Fälle PR-Abteilungen sind. Aber wie sollten wir nun damit umgehen? Auf den Gastbeitrag verzichten? Wir haben uns etwas anderes überlegt…

Wir haben in unseren Artikel eine nette kleine Botschaft integriert:

Gestern hat jemand zu mir gesagt: «Ihr seid die erste Generation, die ihren Eltern erklären muss, wie die Welt funktioniert».

Unsere – also die Generation Y?

Tatsächlich erlebe ich es ständig, dass Gleichaltrige ihren Verwandten bei Computerproblemen helfen müssen.

Einzig das aber ist natürlich nicht ausschlaggebend.

Jedoch spüre ich in der Tat einen grossen Unterschied zwischen unserer und anderen Generationen:

Online- und Mobile Helfer werden von Jungen ganz selbstverständlich in ihren Alltag integriert.

Untereinander macht man sich auf neue Plattformen und spannende Inhalte aufmerksam.

Rasch und ohne Scheu versteht es unsere Generation, die Technologien zu unserem Nutzen einzusetzen.

Nicht, dass es auch Ältere gäbe, die das so tun.

Auch in den älteren Altersgruppen gibt es Neugierige und jene, die Freude daran finden, dass man im Leben nie ausgelernt hat.

Leider vermisse ich aber dies oft bei vielen älteren Kollegen.

In meiner Generation, scheint mir die Lust, etwas voranzutreiben, viel grösser.

Sicherlich auch deshalb haben wir unseren Podcast gestartet.

Thematisch möchten wir Gleichaltrigen und Jüngeren den Journalismus näher bringen.

Ein anderes Ziel ist es aber auch, bei allen Zuhörern eine Lust zu wecken – eine Freude.

Nur so glauben wir, werden auch in Zukunft genügend Leute diesen Beruf mit der nötigen Leidenschaft verfolgen.

Reichlich oft haben wir zwei es versucht, am Arbeitsplatz etwas zu bewegen.

Es ist aber gar nicht so leicht, merkt man schnell, denn hohe Hierarchien, lange Entscheidungswege und die Tendenz, auf neue junge Mitarbeiter nicht gleichermassen zu hören, wie auf jene, die schon lange dabei sind, verhindern Innovation oft.

Charakterstärke beweist aber genau jener, der offen ist für Neues und die Ungewissheit, wie die Zukunft aussehen wird, akzeptiert.

Hören wir auf, uns an alten Modellen festzuhalten und uns die alten Zeiten zurückzuwünschen.

Echte Freude an der Arbeit entsteht erst dann wieder, wenn wir selbst und unsere Organisationen beweglicher und experimentierfreudiger werden.

Rein theoretisch kann man sich natürlich auch einfach weiterhin über diese neuen Medien ärgern und sich ihnen verschliessen.

Chancen erkennt man aber erst dann, wenn man sich darauf einlässt und neue Dinge mindestens ausprobiert.

Heute mögen die klassischen Geschäftsmodelle noch funktionieren.

In wenigen Jahren wird der Punkt erreicht aber sein, dass die digitalen Kanäle die analogen überholen und wer es schafft, bis dahin erfolgreich umzustellen, wird überleben.

Es ist eine unglaublich spannende Zeit für den Journalismus.

Rollen werden neu definiert.

Es kommen neue hinzu.

Nutzen wir die Gunst der Stunde.

Seien wir agil, probieren wir Dinge aus, denn die technischen Werkzeuge werden immer mächtiger und einfacher in der Bedienung.

Es ist neu und interessant, mit wie wenigen Mitteln man heute ein Publikum erreichen kann – man braucht dazu kaum mehr als ein Smartphone und einen Computer, alles weitere ist Zusatz.

Letztlich auch deshalb geniessen wir es, mit unserem Podcast alle Freiheiten bei wenig bis keinen Kosten zu haben.

Bereits einige hundert Zuhörer konnten wir für uns gewinnen.

Sind auch Sie an weiteren Gedanken zu diesem und anderen journalistischen Themen aus der Sicht der Generation Y interessiert?

Toll, wir haben nämlich diesem Artikel eine kleine Sondersendung auf unserem Blog und in unserem Podcast gewidmet – also gleich reinhören und abonnieren!

Gute Journalisten recherchieren selbst, finden wir.
Responsesource selbst fand die Aktion dann nicht so lustig, hat aber sehr nüchtern reagiert:

Herzlichen Dank für Ihre Zusammenarbeit! Wir haben unseren Newsletter heute an unsere Kontakte versendet, im Anhang sehen Sie das html. Wir hoffen, das auch Sie dadurch weitere Leser bzw. Hörer für den Podcast Journalismus Y erreichen können. Hiermit möchten wir zu Ihrem Blogeintrag Stellung nehmen. Die Plattform ResponseSource.de ist für Journalisten kostenlos, für Antwortgeber sind wir noch nicht gebührenpflichtig, wir verkaufen also zu diesem Zeitpunkt nichts. Wir vermitteln Journalistenanfragen und momentan ist der Service in der kostenlosen Testphase für Antwortgeber. ResponseSource ist ein Service von DWPub Ltd., das von einem ehemaligen Journalisten gegründet und auch heute noch geführt wird. Es ist uns ein Anliegen, das die Journalisten, die uns Ihre Recherchefragen anvertrauen mit unserem Service zufrieden sind und dadurch neue, manchmal auch unerwartete Kontakte knüpfen können. Ausserdem kann unser Service schnell Antworten und Information liefern, es bleibt aber jedem Journalisten selbst überlassen, wie er die Antworten in seine Arbeit einfliessen lässt. Wenn jemand also Journalisten kaufen möchte, sind wir sicherlich nicht die geeignete Anlaufstelle.

Das lassen wir so stehen.