17. Juni 2015

Die Auferstehung der RSS-Feeds dank «Apple News»

Apple hat an der letzten Entwickler-Konferenz ein neues App vorgestellt: News. Einmal mehr: Das Prinzip ist kein Neues, doch Apple könnte es mit seiner Marktmacht schaffen, zum neuen globalen Player im News-Markt zu werden. Wie wird sich das auf unsere Nachrichten auswirken?

Wer nicht will, muss sich wehren

Aufgefallen ist die News App diese Woche durch ein E-Mail an einen Blogger. Darin steht frei übersetzt:

Wer nicht will, dass seine Inhalte im Apple News App auftauchen, muss sich wehren.

Apple nimmt sich fremde Inhalte ohne zu fragen? Das klingt unanständig. Ist es aber nicht. Denn: Die meisten Blogs und News-Seiten bieten einen RSS-Feed an und erlauben damit genau das: Das Lesen ihrer Inhalte auf einer anderen Plattform.

Die Auferstehung einer alten Technik: RSS

Ein paar Nerds werden jetzt sagen: Ach, RSS kann man seit 15 Jahren abonnieren und sie haben Recht. Das System, dass ich verschiedene News-Quellen anzapfen und persönlich zusammenstellen kann, hat Potential und passt in die Zeit. Und Apple hat die nötige Marktmacht und das Wissen, der alten Technik zu neuem Erfolg zu verhelfen.

Jetzt kommen die Kritiker

Deutsche Verlage wollten von Google Geld, weil diese die Titel und die ersten Wörter eines Artikels in ihren Suchergebnissen anzeigen. Wie werden sie reagieren, wenn Apple ihre ganzen Artikel inklusive Multimedia-Inhalten in seiner News-App einbindet?

Die Verleger finden: Die Texte auf Google News gehören ihnen. Google soll dafür bezahlen.

Sie werden sich die Frage stellen müssen: Wollen wir unseren RSS-Feed löschen? Oder wollen wir Apple verbieten, unsere Inhalte in ihre App einzubinden? Wenn ja: Verzichten wir damit nicht auch auf viele Leser?

Kommen die Leser weiterhin auf unsere Homepage oder werden sie sich nur noch im News-App bewegen?

Verlage werden diese Fragen wohl unterschiedlich beantworten. Was sie auch stören könnte, ist, dass ihre Inhalte optisch kaum von jenen eines Bloggers zu unterscheiden sind. Es könnte eine neue Debatte über Glaubwürdigkeit von Inhalten auslösen. In einem Punkt können Sie sich aber nicht beschweren.

Der entscheidende Punkt: Das Geld

Aber jetzt kommt der Unterschied: Was Apple «retten» könnte ist folgende Ankündigung von Apple:

«[You] Keep 100% of the revenue from the ads you sell in your articles or channel, or 70% when iAd sells ads for you. You can also earn revenue from ads sold by iAd that appear in Apple-curated topic feeds, such as Fashion or Technology.»

Wenn ich Werbung in meine Inhalte platziere, behalte ich die ganzen Einnahmen. Lasse ich Apple Werbung schalten, bekomme ich 70% der Einnahmen.

Kleingedrucktes: Apple News kommt mit iOS 9, vorläufig nur auf Englisch und in USA, GB und Australien.

Apple stellt Journalisten ein

Pikantes Detail: Apple sucht per Stellenanzeige Journalisten. Die Inhalte der News-App sollen also nicht nur vom Algorithmus kuratiert werden, sondern auch von Apple selbst. Man darf sich fragen, wie viel Gewicht ein Artikel über die prekären Arbeitsbedingungen in Apple-Fabriken erhalten wird.

Den RSS-Feed meines Blogs habe ich bereits bei Apple News registriert. Ich werde euch diesbezüglich auf dem Laufenden halten. Was haltet ihr bisher von den Plänen Apples?