26. Mai 2015

Livestreaming-Apps: Ein Erfahrungsbericht

Ein bisschen stolz bin ich schon. Vermutlich haben wir einen Schweizer Rekord aufgestellt: Noch nie hatte jemand 1’300 Zuschauer gleichzeitig auf seinem Livestream. Insgesamt haben 4’000 Personen zugeschaut und nach zwei Tagen haben sich weitere 2’000 Leute das Video angesehen. Hier die häufigsten Fragen, Kritikpunkte und Antworten.

Kritik: Warum Periscope?

Als gebührenfinanzierter Sender darf das SRF nicht gewisse Marken/Hersteller überbevorzugen. Android hat in der Schweiz einen Marktanteil von 49%. iOS hat 42%. Periscope gibt es leider nur für iPhone, im Gegensatz zu Meerkat, das es auch für Android gibt. Erfreuliches Update:

Warum also Periscope? Aus einem Grund: Der Stream kann ohne Login im Browser angeschaut werden. Bei Meerkat muss man sich mit Facebook oder Twitter einloggen.

Okay, da gäbe es noch younow, aber dort bewegen sich vor allem Jugendliche mit ihrer Webcam. Voll ok, aber nicht so das Umfeld für ein Unternehmen wie SRF.

Wer schreibt mit? Kommentieren kann, wer sich einloggt – geht also nur via iPhone. Es scheint ausserdem ein Limit zu geben. Wenn schon zu viele Personen im Stream sind, schliesst Periscope für die Neuen die Kommentarfunktion. Wie hoch die Zahl ist, konnte ich nicht herausfinden. Ich schätze es sind einige Hundert.

Frage: Warum Hochkant?

Nach dem Upload des Streams auf Youtube kam diese Frage immer wieder: Warum nicht Querformat? (Auch ich empfehle an dieser Stelle: Say no to vertical video) Aber so einfach ist es eben nicht.

Schaut man Periscope im Browser, sieht man nämlich nur Hochformat! Und jeder, der auch nur probeweise Periscope im Querformat filmt, muss sich auf massenweise Kommentare gefasst machen, man solle bitte das Smartphone drehen. Glaubt mir. (Oder probiert’s selbst.) Seit September 2015 kann man Periscope nun auch im Querformat filmen und ansehen.

Trotzdem: Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass immer mehr Videos im Hochformat daherkommen. Ganz einfach deshalb weil es der «Standard» ist, wenn man ein Smartphone «normal» in der Hand hält.

Kritik: Schlechter Ton

Einmal mehr bestätigt sich: Das Qualitätsmerkmal, das umgehend bemerkt wird, ist der Ton. Über die Qualität des Bilds hat sich niemand beschwert. Wir haben uns bewusst gegen zusätzliche Audio-Geräte entschieden.

Wir wollten mit diesem Experiment auch die Grenzen der Livestreaming-Apps aufzeigen.

Und Ton gehört definitiv zu den Kriterien, in denen ein Smartphone allein, schnell an seine Grenzen stösst. Deshalb: Nah ran und laut reden. (Letzteres muss ich mir zu Herzen nehmen, das wusste ich vorher noch nicht.)

Fazit

Haben Live-Streaming-Apps Zukunft? Oh ja.

Dem kleinen Mann oder auch dem kleinen Unternehmen ist es plötzlich möglich, eine Veranstaltung oder ein Ereignis gratis live mit der Welt zu teilen. Das ist grossartig. Auch zum Beispiel für den Lokaljournalismus. Alles was man braucht ist 3G unlimitiert oder W-lan (und einen Ersatzakku für längere Aufnahmen).

War unser Stream ein Erfolg? Ich finde: Ja. Aber man muss sich bewusst sein, dass es immer noch ein Nischenprodukt ist. Zum Vergleich: 4’000 Leute schauten live im Stream vorbei. Im klassischen TV erreichte «10vor10» derweil 450’000 Zuschauer.

Habt ihr auch schon Erfahrungen mit Livestreams gemacht? Positiv/negativ? Als Produzent/Konsument?