22. März 2015

16 Arten News zu konsumieren

Frech schreibe ich in diesem Post keine Eigenleistung, sondern die Übersetzung des englischen Artikels «16 reasons why this research will change how you look at news consumption». Ich finde ihn so aufschlussreich, dass ich ihn unbedingt weiterverbreiten möchte.

Das fundamental Neue am Artikel, ist die Datenerhebung, die ihm zugrundeliegt. Statt Newskonsumenten nach ihren Verhaltensmustern zu befragen, hat man sie beobachtet.

Man hat gemessen, was die Leute machen. Nicht was sie sagen, dass sie machen.

Zwei holländische Forscher haben sechs Jahre lang untersucht, wie unterschiedlich wir News «konsumieren». Sie unterscheiden 16 Tätigkeiten:

  1. Lesen
  2. Schauen
  3. Sehen
  4. Hören
  5. Checken
  6. Snacken
  7. Scannen
  8. Überwachen
  9. Suchen
  10. Klicken
  11. Linken
  12. Teilen
  13. Liken
  14. Empfehlen
  15. Kommentieren
  16. Abstimmen

Schauen und sehen sind nicht dasselbe

Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden:

Während man beim (2) «schauen» dem Programm die volle Aufmerksamkeit schenkt und nicht gestört werden möchte (nur ca. 30% der Konsumenten), ist das Fern (3) «sehen» nur eine Nebentätigkeit. Zum Beispiel während des Kochens oder so.

Die Forscher haben beobachtet, dass Leute beim «schauen» heutzutage auch mal die News anhalten. So wie wenn sie eine Zeitung bei Seite legen um sich kurz auf etwas anderes zu konzentrieren und anschliessend wieder ganz bei den News zu sein. Auch schauen sie solche Inhalte zeitversetzt und auf anderen Geräten. Gerade so, wie es in ihren Tagesablauf passt.

Lesen geht in die Tiefe, Gehörtes ist schnell vergessen

Fürs (1) Lesen bringen Konsumenten in der Regel mehr Zeit und mehr Aufmerksamkeit mit. Das Medium (Print oder Papier) ist nicht entscheidend. Inhalte dürfen auch mal eine Woche alt sein, wenn sie dafür mehr Hintergrundmaterial bieten.

Das Lesen dient dazu, Ereignisse, die man gehört, gecheckt oder gescannt hat, einzuordnen und zu verstehen.

Im Kontrast dazu steht das (4) Hören, das oft nebenbei geschieht. Beim Autofahren zum Beispiel. Es gibt zwar aktivere Formen des Hörens wie Podcasts, diese spielen aber nur eine Nebenrolle.

Gelangweilt oder interessiert? Der Unterschied zwischen checken & scannen und snacken & überwachen

(5) Checken ist die Tätigkeit, die wir ausführen, um «up to date» zu sein. Sowohl im Persönlichen (Facebook, Instagram, Tinder,…) als auch im grossen Ganzen. Man nimmt kurz das Smartphone und klappert alle Plattformen ab.

(6) Snacken hingegen ist ein «sich eine kurze Übersicht verschaffen», indem man zum Beispiel im Zug durch die 20 Minuten blättert. Dabei ist man entspannter.

Beim (7) Scannen hingegen sucht man gezielt nach Informationen, die einen interessieren. Berufs- oder Ortsspezifische Neuigkeiten. Diese helfen z.B. beim Smalltalk.

(8) Überwachen könnte man vergleichen mit Eltern, die immer wieder aus dem Fenster schauen, um ihre Kinder auf dem Spielplatz zu sehen. Techniken wie Push-Meldungen oder Twitter haben das Überwachen deutlich vereinfacht.

Suchen oder klicken

(9) Suchmaschinen wie Google (News) liefern News-Portalen einen beträchtlichen Teil der Klicks. Dabei suchen die Leute eine Antwort auf eine spezifische Frage. Wenn mehrere Angebote gleich daherkommen, entscheiden sie sich eher für jene, die sie schon kennen oder mögen.

(10) Klicken steht für die Art, wie man zu einem Inhalt gelangt. Es ist zu vergleichen mit der Sendungswahl am TV oder der Auswahl eines Artikels in der Zeitung.

Spannend ist hier vielleicht eher das «nicht klicken». Was nämlich nicht automatisch bedeutet, dass die News nicht interessiert. Ganz einfach: Gewissen Usern genügen die Informationen, die sie im Titel und Lead lesen können. Das ist sehr entscheidend.

Klick-Statistiken sagen also nur teilweise etwas über das Interesse des Publikums aus.

Facebook setzt bei Werbungen die Kategorie «gesehen» ein. Auch Twitter hat solche Statistiken. Durchaus sinnvoll.

Linken, Teilen, Liken, Empfehlen, Kommentieren, Abstimmen

Das sind zwar alles unterschiedliche Handlungen – gemäss Studie seien die Motive dahinter aber ähnlich. User lassen sich dabei von Mechanismen aus dem analogen Leben leiten. Teilen sie etwas, exponieren sie sich damit. Sie unterlassen es, wenn Angst vor den möglichen Rückmeldungen haben.

Fazit

Auch die Autoren der Studie plädieren für mehr Optimismus. Sie nennen das Beispiel eines 29-Jährigen, der News erst konsumiert, seit er sich 2011 ein Smartphone kaufte. Auch möchten sie Vorurteile ausräumen.

Die Art wie wir News konsumieren, sagt weniger über das Medium aus, als über den Leser.

Jemand checkt die Nachrichten auf dem Smartphone / Arbeitscomputer, snackt sie auf dem Laptop / in der Zeitung nach der Arbeit und liest die Sonderausgabe einer Zeitung / auf dem Tablet am Wochenende.

Was für Verhalten beobachtet ihr bei euch selbst? Was konsumiert ihr wann auf welchem Gerät?