14. Januar 2015

Videos im Web – Warum und wie setzt man sie richtig ein?

Videos vermitteln ein Maximum an Eindrücken. Ohne Umwege. Einem Video schenkt man Glaubwürdigkeit – man hat etwas schliesslich mit eigenen Augen gesehen. Und nichts kann einen so fesseln wie Bewegtbild und Ton. Aber Videos haben auch so ihre Tücken.

Nichts bringt mich mehr auf die Palme als Werbung, die einfach anfängt zu laufen, nicht aufgehalten werden kann und ich nicht einmal weiss, wie lange sie noch dauert. Und damit hätten wir die grossen Nachteile von Videos schon fast alle abgedeckt.

Minus: Videos sind Content-Wundertüten

Man sieht von aussen nicht, was drin ist. Einen Text kann man überfliegen. Ein Bild in einem Blick erfassen. Schaut man ein Video, weiss man nicht, was nach dem nächsten Schnitt kommt. Youtube versucht geschickt, Abhilfe zu schaffen:

Youtube-Werkzeuge

Youtube-Werkzeuge

  1. Man sieht, wie lange das Video noch dauert
  2. und an welcher Abspielposition ist
  3. Fährt man mit der Maus über den Abspielbalken, sieht man, was für ein Bild einen dort erwartet

Doch das Prinzip bleibt: Will man wissen, was als nächstes kommt, muss man es sich ansehen. Das Video hat eine lineare Erzählstruktur, der man sich fügen muss. Das hat auch Vorteile.

Plus: Der Dramaturg kann aus dem Vollen schöpfen

Dramaturgie – oder neudeutsch Storytelling – kennt viele Wege, Spannung zu erzeugen, Zuschauer zu fesseln, zu überraschen, kurz: Emotionen zu wecken. Wer schon einmal im Kino sass, weiss: Nichts zieht einen mehr in den Bann als ein guter Film mit passend gesetzter Musik.

Spannungskurve

Spannungskurve

Dadurch, dass man die volle Kontrolle darüber hat, was der Zuschauer in welcher Reihenfolge sieht, kann man Spannung aufbauen, Atmosphäre schaffen, Neugierde wecken, das volle Programm.

Geballte Ladung Information – ganz direkt

Video hat noch eine Stärke: Sie transportiert Unmengen Information, die nicht oder nur schwer in Worte zu fassen ist, z.B.: Mimik, Gestik, Stimmlage, Redepausen. Oder kann Handlungen und Umgebungen in feinen Details aufzeigen – man stelle sich mal eine Messi-Wohnung vor, die man detailliert Beschreiben müsste. Ein Bild sagt da bekanntlich mehr als tausend Worte.

Beschreibe ich als Autor etwas, gebe ich immer meine persönlichen Eindrücke wieder. Unter Umständen achte ich aber auf ganz andere Dinge als es der Zuschauer würde. Dieselbe Wohnung kann ich als ordentlich empfinden, während sie ein Zuschauer vielleicht unaufgeräumt findet.

Videos stellen viel unmittelbarer die Realität dar.

Klar hat auch ein Filmemacher mittels Schnitt und Bildausschnitt etc. viel Einflussmöglichkeiten. Und natürlich auch Manipulationsmöglichkeiten. Aber doch weniger als z.B. einem Autor, der frei erfinden oder kombinieren kann. Und wir gehen jetzt mal davon aus, dass beide korrekt und ehrlich arbeiten.

So viel Kontrolle wie möglich

Videos sind im multimedialen Erzählen eine unverzichtbare Medienform. Wie also können wir die Schwächen möglichst gut ausmerzen? Mein Credo:

  1. Zeig dem Zuschauer von Anfang an, was ihn erwartet
  2. Unterteile lange Videos in mehrere Kapitel inkl. Inhaltsverzeichnis
  3. Lass dem Zuschauer jederzeit die volle Kontrolle

In meiner Bachelorarbeit «Uf de Gass» wollte ich keine längeren, in sich geschlossene Videos. Youtube bzw. HTML5 erlauben, ein Standbild einzublenden:

Darauf habe ich geschrieben, welche Frage ich dem Protagonisten gestellt habe, um wen es sich dabei handelt und wie lange seine Antwort dauert.

Youtube erlaubt es auch, ganze Playlists einzubinden. Warum also nicht ein langes Video in mehrere kurze unterteilen?

Youtube hat wie erwähnt dankbare Funktionen, um durch das Video zu navigieren. Deaktiviert diese NIE. Wenn ihr mit HTML5-Videos arbeitet: Verwendet einen guten Player.

Fallen euch weitere Vor- oder Nachteile von Video ein? Oder kennt ihr gute Umsetzungen, wie man Videos übersichtlicher machen kann? Dann her damit! Ich freue mich auf Feedback!